Stress und Erholung
Ich funktioniere nur noch: Wenn Abschalten schwerfällt
Die Aufgaben sind erledigt, aber innerlich läuft der Tag weiter. Freie Zeit allein bedeutet nicht immer, dass Sie sich erholen. Es lohnt sich, genauer auf Ihre Belastungen und die Bedingungen für Erholung zu schauen.
Von Benjamin Butt, Psychologe (M.Sc.) · Stand: 26. Oktober 2026
Warum freie Zeit nicht immer Erholung bringt
Vielleicht denken Sie weiter über offene Aufgaben nach, fühlen sich für andere erreichbar oder haben das Gefühl, eine Pause erst verdienen zu müssen. Dann ist zwar Zeit frei, Ihre Aufmerksamkeit bleibt aber bei den Anforderungen.
Das kann unterschiedliche Gründe haben. Hohe Arbeitsbelastung, Sorgearbeit oder finanzielle Unsicherheit sind reale Belastungen. Eigene Ansprüche, Grübeln und die Erwartung, jederzeit reagieren zu müssen, können zusätzlich eine Rolle spielen. Welche Faktoren bei Ihnen wichtig sind, lässt sich nicht aus einem einzelnen Symptom ablesen.
Liegt Stress an der Situation oder an meiner Bewertung?
Beides kann bedeutsam sein. In der Beratung betrachten wir die Anforderungen ebenso wie Ihre Gedanken darüber, die verfügbaren Möglichkeiten und die Unterstützung, die Sie bekommen. Eine andere Bewertung löst nicht automatisch ein dauerhaft zu hohes Arbeitspensum.
Ein sinnvoller Ansatz kann deshalb sein, eine Anforderung zu verändern, Unterstützung zu organisieren oder den Umgang mit eigenen Ansprüchen zu erproben. Der WHO-Ratgeber zum Umgang mit Stress bietet ergänzend praktische Übungen für belastende Situationen. [1]
Drei Fragen, mit denen Sie eine Situation genauer betrachten können
- Was fordert mich gerade tatsächlich, und was erwarte ich zusätzlich von mir selbst?
- Was müsste anders sein, damit eine Pause möglich wird, etwa eine Absprache, weniger Erreichbarkeit oder Unterstützung?
- Woran merke ich nach einer Pause, ob sie mir gutgetan hat?
Sie müssen daraus nicht sofort einen neuen Plan machen. Zunächst kann es reichen, eine konkrete Situation zu beobachten.
Ein Beispiel: Der Arbeitstag endet, die Erreichbarkeit bleibt
Sie möchten abends zur Ruhe kommen, prüfen aber weiter berufliche Nachrichten. Als erster Versuch könnte eine Absprache zur Erreichbarkeit helfen, sofern Ihr Arbeitskontext das zulässt. Anschließend beobachten Sie: Werden die Unterbrechungen weniger? Bleiben die Gedanken bei der Arbeit? Falls ja, schauen wir auch darauf, welche Sorgen oder Ansprüche dahinterstehen.
Bewegung oder eine Abendroutine können einen Übergang unterstützen. Sie sollten nicht zu einer weiteren Pflicht werden, die den Druck erhöht.
Was wir in der Beratung bearbeiten können
Wir nehmen eine wiederkehrende Situation, unterscheiden veränderbare Anforderungen von persönlichen Erwartungen und entwickeln einen überschaubaren Versuch. Bei einem weiteren Gespräch prüfen wir, ob er entlastet hat und wo Anpassungen nötig sind.
Wann eine andere Unterstützung wichtig ist
Meine Beratung ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung. Wenn Beschwerden anhalten, stark ausgeprägt sind oder Sie Ihren Alltag kaum noch bewältigen können, lassen Sie sie ärztlich oder psychotherapeutisch abklären. Anlaufstellen für akute Krisen und Notfälle finden Sie in den häufigen Fragen.
Sie möchten Ihre Situation gemeinsam anschauen?
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[1] WHO (2020): Doing What Matters in Times of Stress. Illustrierter Ratgeber zum Umgang mit Stress. Das Beispiel auf dieser Seite dient der Veranschaulichung und ist kein Fallbericht.